uz181051

Gedanken sind frei . .
 
 

9.November 1989

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Zuerst war da unglaubliches Staunen. Wir lebten schliesslich auf der Insel der Ahnungslosen ( ARD - ausser Rügen und Dresden, die ehem. Ossies wissen, was ich meine )
Dann kam langsam die Freude, gemischt mit ein wenig Misstrauen und etwas Unglaube. Das hieß für uns - ausprobieren!

Also sind wir los Richtung Fährhafen.

Die Schweden hatten sich entschlossen, Jeden, der mit ihrer Fähre mitreisen wollte, ohne Pass-Kontrolle, sondern nur duch die Vorlage des Ausweises, mitreisen zu lassen.

Das war neu!

Die ganze Familie machte sich also auf nach Trelleborg - ohne schwedische Kronen oder sonstige anerkannte Währung - einfach nur einmal schauen! Mit uns fuhren noch viele andere Familien. Ich glaube, an diesem Tag ist ganz Sassnitz nach Schweden aufgebrochen.

In Trelleborg angekommen, begrüßte uns ein Fernsehteam. Ein Reporter versuchte die ihm entgegenströmende Menschenmenge zu befragen. Doch es gelang ihm nicht, weil die Masse von Hinten nachdrückte, so dass die vordere Reihe überrannt worden wäre, wenn sie versucht hätte, stehen zu beiben.

Irgendwo kamen die Menschen dann doch zum Stehen. Da der Reporter an einzelne Personen nicht herankam, entschloss er sich, mit Allen zu sprechen. Und so rief er über die Köpfe der Leute: "Was wollen Sie in Schweden?"

Allgemeine laute Antwort: " Die Schweden kennenlernen!" " Trelleborg anschauen!"

Die nächste Frage des Reporters: " Wollen Sie hier bleiben?"

Allgemeine Antwort: "Nein!" - Ein fröhliches Lachen war überall zu hören. Man wünschte uns eine angenehmen Aufenthalt.

Wir hielten uns ca. drei Stunden in der Stadt auf, ohne etwas kaufen zu können. Nicht einmal ein Lutscher für unsere Kinder war zu erlangen. Wir konnten nur schauen, wie es bei einem Spaziergang ohnen Geld eben ist, und uns die Nasen plattdrücken - das war also der WESTEN.

Damals hatte Niemand daran gedacht, seine Heimat zu verlassen!

Drei Stunden später sind wir mit der nächsten Fähre wieder in unsere Heimatstadt Sassnitz zurückgefahren. Zum Glück hat man an Bord der Fähre unser DDR-Geld akzeptiert. So konnten wir etwas trinken und essen, um nicht ganz augehungert aus dem "goldenen Westen" nach Hause zu kommen.[:$]

So erlebte ich den Mauerfall 1989.

19.3.11 18:13

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